Qi-Blog

Alle Artikel von (ehemals) Qi-Blog sind nun hier zu finden:

03/2020 Zeit für Yin

die Welt jetzt im Schneckentempo

die Welt dreht sich aktuell (noch) im Schneckentempo

Seit Jahrzehnten regiert in der westlichen Welt das Yang:

Lauter – Wachstum

Größer – Wachstum

Schneller – Wachstum

Mehr – Wachstum,

gerne zeitoptimiert,

am Ruder sitzen überwiegend Männer.

Kehrtwende: Leere Hallen, stumme Städte

Ausgerechnet ein Mikropartikel namens Corona nutzt nun dreisterweise die in dieser pulsierenden Zeit entstandenen, ausgetretenen Schnellwege und unter anderem sogar besagte Männer, um sich in Windeseile zu verbreiten und uns alle lahmzulegen. Entweder hältst du die Füße still und isolierst dich oder es wird weitreichende, gesundheitliche Konsequenzen für Dich und andere haben…

Besonnenheit und kühler Kopf

Wer allerdings jetzt die Vernunft walten lässt, Angst und Panik auf stumm schaltet und den „Yang“-Helm einmal abnimmt wird merken, dass er gar nicht mehr mit dem Kopf durch die Wand muss – derzeit. Anstatt fortzustreben bietet sich die Chance zu sein; mit sich selbst und gemeinsam mit der engsten Familie. Ohne Pflichtbesuche, Termine und Geschenkstress. Es bietet sich die Gelegenheit, die versprochene Partie „Mensch ärgere dich nicht“ mit den Kindern wirklich zu spielen, die Meditations-App wirklich zu nutzen anstatt sie nur zu bezahlen, sich selbst beim Atmen zu beobachten (so gut und gesund) oder einfach nur eine Kerze anzuzünden und mit der Familie zu reden – inklusive Zurücklehnen und entspanntem Zuhören. Freunde, die der Risikogruppe angehören, lassen sich dank neuer Medien beispielsweise per Videochat zuschalten. Raum für Neues, Ungewohntes.

Was bleibt…

Die Natur kann aufgrund unseres Stillstandes aufatmen. Unterdessen merkt vielleicht der ein oder andere, was er vermisst hat: Das Yin, die Einkehr, den Rückzug, das Milde, wenige, dafür aber wertvolle Kontakte; und lernt etwas kennen, was es zu bewahren gilt – in der Zeit, wenn die Maschinerie wieder angelaufen ist. Das wünsche ich euch. Bleibt gesund, kommt gut durch diese Tage!

Viele Grüße, euer Yin-Krieger Daniel

 

01/2020 Zifa Gong - erste Erfahrungen

man on the floor - zifa gong

Derzeit übe ich das Yijin Jing nach Marco Lück. Nach dreißig Tagen hatte sich meine Aufrichtung auch im Alltag verbessert, allerdings haben sich meine Halswirbel bemerkbar gemacht. In solchen Fällen lasse ich mir gerne mit Akupunktur helfen. Als ich auf der Liege lag in meinem grundentspannten Zustand, der auch im Yijin Jing erforderlich ist, und mich dem gedanklichen Nichts annäherte, fing es hier und da zu zucken an. Beim Anregen/Nadeln bestimmter Punkte wurde dieses Zucken entsprechend stärker. Vor drei Jahren hatte ich ähnliche Empfindungen in der Hypnose (könnt ihr hier nachlesen). Die Akupunktur-Sitzung war allerdings dann schon wieder zu Ende. Meine Akupunkteurin und ich beschlossen, diese „Krämpfe“ im Blick zu behalten.

Im Nachgang erinnerte mich an meine Qigong-Lehrerausblidung – spontanes Qigong / Zifa Gong hatten wir einmal angerissen. Damals in der Ausbildung stellten wir uns alle entspannt auf und harrten der Dinge bzw. Bewegungen, die da kommen sollten. Immer in dem Bewusstsein, jederzeit abbrechen zu können; dann könne nichts schief gehen. Ging es auch nicht und es gab am Ende niemanden, der ruhig stand. Wir waren alle scheinbar spontan bewegt. Und doch fühlte sich im Vergleich dazu dieses Zucken auf der Akupunkturliege WIRKLICH spontan an.

Geht das auch ohne Nadeln? Ausprobieren. Tagsdarauf legte ich mich auf den Boden, fand in einen ruhigen selbstbestimmten Atem und tatsächlich kam es wieder – das Zucken. Anders, intensiver, in den unterschiedlichsten Ausprägungen, in unterschiedlichen Körperbereichen. Mein Atem ließ sich davon mitreißen; kam mal stoßweise durch die Nase, dann wieder ganz flach strömend. Es kam zu Verhärtung im Unterbauch und andernorts, die sich dann wieder auflösten. Alles fühlte sich fremdbestimmt an. Wie ein Selbstheilungsprogramm, das erst hier, dann dort zum Einsatz kommt. Nach 45 Minuten wurde alles etwas ruhiger und ich beschloss, es für heute gut sein zu lassen – meine erste Erfahrung mit spontanem Qigong…

Am nächsten Tag nahm ich mir wieder Zeit dafür und siehe da, nach 10 Minuten waren die Empfindungen und selbständigen Prozesse verstummt. In der darauf kommenden Woche bei der Akupunktur variierte die Heftigkeit der Spontanempfindungen je nachdem, welche Punkte stimuliert wurden.

Meine Halswirbel geben nun wieder Ruhe, die Erfahrung des Zifa Gong nehme ich mit und fahre jetzt zu Beginn der Jahres fort mit dem YiJin Jing

Hattet ihr bereits Erfahrungen im spontanen Qigong? Man sagt Kinder fänden den Zugang schneller dazu, da sie den Kontakt zum Ursprungsgeist schneller herstellen können. Daher wirkt die ein oder andere Kindsbewegung vielleicht befremdlich, scheint ihnen aber gut zu tun.

Viele Grüße, Daniel

07/2019 Lernen vom Meister - Klappe die zweite

„Das Dao De Jing in Theorie und Praxis mit Jan Silberstorff“, so lautete der Titel meiner diesjährigen Fortbildung. Bereits im letzten Jahr durfte ich von einem Meister lernen (Shi Xinggui) und in diesem Jahr von einem, der u.a. meine Sprache fließend spricht, besser noch; selbst lange Zeit in China lebte, dort lernte und in die Chen-Familie aufgenommen wurde.

Jan Silberstorff ist Taiji-Meister, da aber alle Seminar-Teilnehmer dieser Fortbildung Qigong an ihre Schüler weitergeben, wird die Schnittmenge schon groß genug sein, dachte ich mir. So viel vorne weg, sie war es. Was meine Übe-Praxis betrifft, sitze ich einigermaßen fest im Sattel, dachte ich mir. Was ich ahnte war, dass in der Theorie großer Nachholbedarf herrscht. In das I Ging hatte ich mich vor zwei Jahren eingelesen allerdings ohne großen Erfolg oder Erkenntnisgewinn.

Der Meister kam eine Stunde später als geplant vom Flughafen und wir begannen erst um 15 Uhr. Einem Globetrotter der vielerorts unterrichtet und hauptsächlich in Brasilien lebt sieht man das gerne nach. Im letzten Jahr fühlte sich das schon irgendwie seltsam an: wie geht man mit dem Meister um, wie begrüßt man sich, wie verabschiedet man sich? Wieder tauchten diese Fragen auf, aber bei seiner Ankunft entschärfte Jans Lächeln und seine positive Ausstrahlung diese Bedenken und los ging es.

Theorie

Wir sind eingetaucht in die chinesische Sprache. Das Herleiten von Begrifflichkeiten und ihre Bedeutung über die Schriftzeichen ließ mich staunen: Wissen auf diese Art und Weise zu konservieren, die einen so großen Interpretationsspielraum lässt. Und obwohl die meisten Teilnehmer sich schon über Jahre mit Qi beschäftigen, fingen wir bei null an – in Theorie und Praxis. In der Tat ergab sich über die Herleitung aus dem Dao De Jing viel Neues, selbst in den Grundbegriffen. Alles gespickt mit persönlichen Anekdoten beispielsweise über den Umgang mit Großmeistern und das Leben und die Auffassungen in China.

Praxis

In der Praxis befassten wir uns mit der Rückkehr zum Dao, Vorübungen zur Seidenübung und der Stehenden Säule. Im Vorfeld trafen wir unabdingbare Vorkehrungen, kalibrierten Geist und Körper: starten mit dem leeren Geist, durch vollständiges Nachgeben den Körper durchlässig machen und durch den Geist die Energie gezielt führen. So mauserten sich die „kleinen“, überschaubaren Übungen mit den unmittelbar zuvor aus dem Dao De Jing erläuterten Grundprinzipien zu echten Herausforderungen und noch vor Ort waren die Unterschiede im Üben deutlich spürbar.

Alles neu und jetzt?

Diese spürbaren Unterschiede waren es auch, die mich dazu brachten, meine eigene Übe-Praxis wieder auf Null zu stellen; seit dem Seminar übe ich neu. In meinen Kursstunden fühlen sich die von mir altbekannten Übungen neu an. Ich bin gespannt, wohin das alles führt. Zum Dao? Jedenfalls nicht, wenn ich das forciere; das und viel mehr durfte ich lernen